Heimattreffen
2001
Am 15. September, nur einige
Tage nach den schrecklichen Ereignissen in New York, fand in der
Turnhalle Haunstetten/Augsburg das 7. Treffen der Tschakowaer
statt. Der Saal stand ab 10.00 für unsere Landsleute bereit,
jedem Teilnehmer wurde beim Empfang ein Kugelschreiber mit der
Aufschrift "Heimattreffen Tschakowa" überreicht,
doch waren anfangs nicht viele Landsleute anwesend, obwohl man
diesmal nur noch einen Tag für das Treffen vorgesehen hatte.
Bis zum Abend hin kamen doch über 200 Leute zusammen,
darunter erfreulicherweise auch Gäste aus der alten Heimat:
Frau F. Trudt, Frau Benkö geb. Bach Mädy und Familie
Mila.
Zum Ablauf des Tages: Nach
einem gemeinsamen Mittagessen konnten die Sportliebhabern den
Spielern mit dem Emblem "Tschakowa" (siehe Foto) bei
einem Fußballspiel die Daumen drücken. Mit diesem Spiel
wollte man den jungen Leuten ein wenig Abwechslung bieten.

Leider haben uns in den
letzten Jahren viele Landsleute für immer verlassen, einige
von ihnen viel zu früh, darunter: Peter Rittinger, Toni Bach,
Dr. Horst Walter, Dietmar Milianowitsch und vor einigen Monaten
auch Eduard Kuhn, der ehemalige Dirigent unserer Tschakowaer
Blaskapelle. Für unsere Verstorbenen bat der Vorsitzende der
H.O.G., Hans Brunn, um eine Schweigeminute. In seiner Begrüßungsrede
erwähnte er unter anderem, dass die HOG nun schuldenfrei sei,
dass jedoch noch 130 Bücher auf Käufer warten.
Angesprochen wurden hierbei teilweise manche von den Landsleuten,
die schon sehr lange in Deutschland sind und die sicherlich auch
einige interessante Kapitel im Heimatbuch entdecken würden.
Gesprochen wurde ferner über die Spendenaktion für die
Renovierung der Kirche. Von den gespendeten Geldern wurden letztes
Jahr DM 6.000,-- nach Tschakowa übergeben, wofür Msgr.
Kobor sich in einem Brief im Namen der Landsleute bedankt hat.
Diese Aktion läuft noch weiter. Nach einer kurzen Schilderung
seiner Tätigkeit als Vorsitzender, bedankte sich Hans Brunn für
die von Eduard Kernweiss jun. erstellten und aktualisierten
Internetseiten. Hierüber können alle Interessierten
grenzüberschreitend erreicht werden. Gedankt wurde auch dem
ausscheidenden Vorstandsmitglied Werner Wetzler für seine
geleistete Arbeit. Anschließend wurde der Kassenbericht
verlesen.
Inge Mila geb. Fritz, die
Vorsitzende des Deutschen Forums in Tschakowa, überbrachte Grüße
von unseren Landsleuten aus der alten Heimat. Tschakowa hat - wie
sie sagte - zwar nicht mehr das frühere Aussehen, doch soll
am 19. Mai 2002 wieder Kirchweih gefeiert werden, wie bereits
bekannt, und dazu lud sie die ehemaligen Tschakowaer im Namen der
noch in der alten Heimat Lebenden herzlich ein.
Unser ehemaliger Lehrer und
stellvertr. Schulleiter Nikolaus Doggendorf hatte für das
Treffen ein Gedicht über das "Dasein" unseres alten
Turms "KULA", der stets Tschakowa bewachte, geschrieben:
Vorbei
Noch steht ein Turm, "Kula",
schweigend, müde, bröckelnd....
Einst stolz, dem Feind die Stirne bietend,
siegesbewußt, verlockend,
jahrhundertelang.
So fanden sie ihn, die vor uns waren,
suchend, hoffend, erbauend,
überwindend Not, Elend, Tod und Gefahren,
strebend, glaubend,......doch,
enteignet, deportiert, verschmäht und verbannt,
nur weil als Deutsche geboren, wir deutsch uns genannt.
Noch steht ein Turm "Kula" auf Tschakowas Erde.
Nun schreit er zum Himmel, im Dunkel der Nacht,
weil etwas, einst Strahlendes
versunken, erloschen,... nie wieder erwacht!
Dieses Gedicht wurde zum
Abschluß des Nachmittags von Landsmann und Schauspieler
Alexander Stefi vorgetragen. Das nachdenkliche Publikum dankte mit
viel Beifall.
Um 18.30 Uhr feierten wir
mit Heimatpfarrer Johann Palfi, Konzelebrant war der Ortspriester,
eine heilige Messe zusammen mit der Kirchengemeinde Sankt Albert.
"Unser Pfarrer" hat sehr heimatverbunden durch die Messe
geführt und in seiner Predigt betont, wie wichtig der
Zusammenhalt aller Landsleute über die Grenzen hinweg war und
sei, ebenso das Miteinander mit allen in der neuen Heimat. Für
Lesung und Fürbitten hatten sich unsere jungen Leute bereit
erklärt. Die "Deutsche Messe" von Schubert wurde
zwar nur noch zweistimmig gesungen, doch war es schön,
zwischen den Sängern "unseres Kirchenchores" eine "noch
Tschakowaerin", und auch einen "zugeheirateten
Tschakowaer" aus Deutschland auf der Empore zu haben.
Am Abend war ab 20.00 Uhr
Musik mit Peter Mayer und dem "Sextett Plus" auf dem
Programm. Es war ein gemütliches Beisammensein, wobei zwar
diesmal nicht viel getanzt wurde, doch spielten Kinder, die sich
bisher noch nicht kannten, die Jungen unterhielten sich, das "Mittelalter"
suchte - teilweise vergeblich - nach Gleichaltrigen. Peter
Merschdorf stellte fest, dass er der Älteste im Saal ist mit
seinen 91 Jahren, sich aber noch ganz wohl fühlt.
Wenn viele fehlen ist es als
ob aus einem Mosaik etliche Steine fehlen würden. Es sieht
dann nicht mehr so bunt und nicht mehr so schön aus. Schön
ist es aber, dass wir Landsleute haben, die sowohl in Tschakowa
als auch hier in Deutschland viel Hilfe leisten, so z. B. Familie
Josef Nemetz u. a.
Ein herzlicher Dank gebührt
den Helfern für das Treffen, besonders dem Vorsitzenden Hans
Brunn und seiner Familie für den tatkräftigen und
ausdauernden Einsatz.
Herzliche Grüße
an den Ehrenvorsitzenden unserer H.O.G. und Verfasser des
Heimatbuches, Wilhelm Merschdorf und seine Familie, der zwar beim
Treffen nicht dabei sein konnte, aber mit dem Geschehen um seine
Landsleute mitfiebert. Viele Grüße an alle, die diesmal
aus Krankheitsgründen oder sonstwie verhindert waren am
Treffen teilzunehmen.
Es sieht in Tschakowa nicht
mehr so aus wie "früher", es waren bei diesem
Treffen nicht mehr so viele Landsleute wie "früher",
wir sind auch alle nicht mehr wie "früher", dennoch
ist es oft bereichernd - und schön dass es möglich ist -
in irgendeiner Form weiter in Verbindung zu bleiben: per Telefon,
bei Treffen, über die Zeitung oder über das neue Medium
Internet.
Es ist sicherlich nicht
einfach, sich hier zu integrieren und gleichzeitig "Tschakowaer"
bleiben. Man kann dennoch das eine tun, ohne das andere zu lassen.
Edith Tausch - H.O.G. Tschakowa
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