Die Heimatortsgemeinschaft Tschakowa

Lage und Geschichte

Tschakowa ist eine der stattlichsten Banater Ortschaften mit seinem großen Platz im Zentrum. Schon im Mittelalter stand hier eine Festung, bereits im 13. Jahrhundert dokumentarisch belegt. Erhalten blieb bis heute die "Kula", der zum Wahrzeichen gewordene Turm der ehemaligen Wehranlagen. Bald nach der Befreiung von den Türken wurde der Ort zum Marktflecken mit besonderen Rechten und dann sogar zur Stadt erhoben.

Die Marktgemeinde liegt in Rumänien, nur 32 Kilometer süd-südwestlich von der Banater Hauptstadt Temeschburg entfernt, am linken Ufer der Alten Temesch, 83 Meter über dem Meeresspiegel. Ihre geografischen Koordinaten sind 45,31 N (nördliche Breite)und 21,09 E (östliche Länge von Greenwich).


Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist aus dem Jahre 1220. Man unterschied die Burg Chaak, die auf einer Temeschinsel lag, und den eigentlichen Ort Csaak am linken Temeschufer. Bei Csaak war ein wichtiger Flußübergang und deshalb entstand die Wehranlage in unmittelbarer Nähe dieser Brücke. Der Name Csaak lässt sich deuten, dass er einen Ort mit schützender Aufgabe bezeichnet. (Csak bedeutet im Alt-Madjarischen Spitze).

In den folgenden Jahrhunderten war die Schreibweise des Ortsnamens recht unterschiedlich: Chaak, Chaac, Czokoa, Czokoan, Czakona, Czakova, Czakowa, Zakovia, Zakovar, Schakowan (aus dem arabischen übersetzt); im Madjarischen gab es mehrere Schreibweisen: Csák, Csakova, Csakóvár und Csákova. Die erste bekannte deutsche Bezeichnung Tschakowa stammt aus dem Jahre 1786. Der rumänische Ortsname ist Ciacova.

Die ersten Deutschen kamen schon 1716/1717 nach Tschakowa. Es waren Armeeangehörige, Verwaltungsbeamte und Handwerker, die sich mit ihren Familien in Tschakowa, einer der wichtigsten Verwaltungsorte des neuen Kronlandes, niederließen.

Dann folgten ab 1724 die von der Wiener Hofkammer geregelten "kameralen" Ansiedlungswellen von Bauern und Handwerkern: 1724 kamen 30-40 Familien aus der Pfalz, Schwaben, Franken und den Kurfürstentümern Mainz, Trier, Köln und Hessen; 1733 siedelten 20 Familien aus Italien und vier Familien aus Spanien; 1738 kamen 30 Bregenzer Familien mit ihrem Pfarrer Peter Forster; 1740 bis 1749 weitere 10 Familien aus den bisherigen Herkunftsorten und aus Österreich. Es folgten Familien aus Böhmen und Mähren, aus Luxemburg, Lothringen, Südschwarzwald (Hotzenwald), Schlesien, Oberungarn, Siebenbürgen, Kroatien und Slawonien. 1791 kamen 27 slowakische Familien aus Oberungarn (Komitat Neutra), die in der Slowakengasse angesiedelt wurden. Die Deutsche Siedlung lag im Süden des bestehenden rumänisch-serbischen Ortes (Deutsche Gasse, Breite Gasse, Neue Welt Gasse, Weingärten).

Die römisch-katholische Pfarrkirche

Die Wiedereinrichtung der römisch-katholischen Pfarrei erfolgte am 1. August 1724. Erster Pfarrer war Johann Wilhelm Kruchten aus Neuerburg/Trier. Seit dann werden auch die katholischen Kirchenbücher (Taufen, Heiraten und Sterbefälle) geführt. Die Kirchengemeinde hatte bis 1742 ein Bethaus. Die erste Kirche wurde zwischen 1732 und 1741 in der Deutschen Gasse errichtet. Die Kirchengemeinde errichtete zwischen 1879 und 1881 eine neue Kirche; die alte wurde 1882 abgetragen. Das Pfarrhaus blieb weiterhin an der Stelle an der vorher das Bethaus stand. Zwischen 1724 und 1999 wirkten in Tschakowa 46 Priester und über 100 Kapläne.

Tschakowa hat eine griechisch-orthodoxe serbische Kirche (1768 - 1771) sowie eine griechisch-orthodoxe rumänische Kirche. Die Synagoge der jüdischen Gemeinde bestand von 1863 bis 1959. Nach 1990 wurden die Bethäuser der Baptisten und der Pfingstler eingerichtet.

Der alte katholische Friedhof befand sich neben der ersten katholischen Kirche und wurde später aufgegeben. Der neue Friedhof wurde 1777 im Südosten der Gemeinde angelegt. In Tschakowa gibt es noch einen orthodoxen serbisch/rumänischen Friedhof und einen jüdischen Friedhof.


Die "Große Schule"

Die erste deutsche Schule in Tschakowa wurde 1720 gegründet, der Unterricht fand im Bethaus statt. Das erste Schulgebäude wurde 1728 in der Deutschen Gasse errichtet. In den Jahren 1907 - 1941 war der deutschsprachige Unterricht an der "deutschen" Schule fast verdrängt. 

Im Schuljahr 1941/42 ging die deutsche Schule in die Verwaltung der Volksgruppe über. 1944 wurde der Unterricht an der deutschen Schule eingestellt; die deutschen Kinder mussten die rumänische Schule besuchen. Zwischen 1948 und 1959 funktionierte die deutsche Schule wieder als selbständige Einheit, wurde aber 1959 als Abteilung der Tschakowaer (rumänischen) Allgemeinschule eingegliedert.

1880 entstand die Lehrlingsschule, die bis 1948 bestand. Die Notre-Dame-Schul-Schwestern gründeten 1895 die Mädchenbürgerschule. 1923 entstand im Gebäude der Klosterschule das rumänische Gymnasium "Alexandru Mocioni"; daraus wurde 1945 eine Allgemeinschule und 1955 das "Theoretische Lyzeum Tschakowa". Die Ackerbauschule wurde 1885 gegründet, 1966 wurde sie ein "Landwirtschaftliches Lyzeum" und heute ist sie die "Landwirtschaftliche Schulgruppe Tschakowa".


Seit dem Mittelalter wurde in Tschakowa und Umgebung Viehzucht betrieben. Die Viehmärkte von Tschakowa sind seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Nach der Ansiedlung der deutschen Bauern und Handwerker im 18. Jahrhundert wurde neben der Viehzucht immer mehr Ackerbau betrieben. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts erzeugten die Landwirte auf der Tschakowaer Gemarkung und auf den Nachbargemarkungen Petroman, Gilad, Obad, Tschebsa und Wojteg landwirtschaftliche Produkte, die dem Innen- und Aussenhandel zugeführt wurden. Die deutschen Bauernhöfe, aber auch viele rumänische und serbische zeugten von einem respektablen Wohlstand. Der Zweite Weltkrieg und besonders die ab 1945 nach sowjetischem Vorbild erlassenen Gesetze führten durch die Enteignung der deutschen Bauern zu einem Stillstand in der Entwicklung der Tschakowaer Landwirtschaft; ja selbst die Kollektivwirtschaft und der staatliche Landmaschinenbetrieb konnten den Abwärtstrend nicht aufhalten. Durch die Rückgabe der Agrarflächen an die ehemaligen Eigentümer, versucht man seit 1991 die Produktion anzukurbeln. Mit gutem Beispiel geht der Landwirtschaftsring der Caritas voran.

Tschakowa hatte eine Vielzahl von Gewerbetreibenden, wie Gerber, Kürschner, Schneider, Schuhmacher, Metzger, Tischler, Maurer, Zimmerleute, Schmiede, Schlosser, Wagner, um nur einige, der über 100 ausgeübten Berufe mit den entsprechenden Werkstätten zu nennen.

Der Handel wurde durch Kaufleute für Textilien, Eisenwaren, Glaswaren, Möbel und Gemischtwaren in den über 40 Geschäftslokalen betrieben. Auch zwei Apotheken gab es in Tschakowa. Bedingt durch die Wochenmärkte und die fünf Jahrmärkte gab es in Tschakowa über 20 Gaststätten und Restaurante, mehrere Bäckereien und Konditoreien, ja sogar ein Hotel am Hauptplatz. Heute funktionieren nur die Werkstätten der Caritas gut.

Eine Milchgenossenschaft, eine Ölmühle, mehrere Getreideschrotereien, zwei große Mühlen - früher gab es auch Wasser- und Rossmühlen - , eine Eisfabrik, eine Likör- und Essigfabrik sowie seit etwa 1970 ein metallverarbeitender Elektrobetrieb deuten die Anfänge einer Industrie an. Heute funktioniert von all diesen Betrieben nur noch eine Mühle.

Seit 1722 gibt es in Tschakowa einen regelmäßigen Postdienst und seit 1893 ist der Ort an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Ein Elektrizitätswerk versorgte die Gemeinde seit 1912 mit elektrischer Energie. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften in Tschakowa gegründet. Heute besteht nur eine Bank- und eine Sparkassenfiliale.

Insgesamt harrt die Landwirtschaft, das Gewerbe und die Industrie neuer Impulse, die dem Ort wieder das ehemals so vielfältige Leben vermitteln sollen.

Die deutsche Gemeinschaft von Tschakowa hatte in den beiden Weltkriegen und ihren Folgen einen hohen Blutzoll bezahlt: im Ersten Weltkrieg waren 67 deutsche Opfer zu beklagen, im Zweiten Weltkrieg 18 Opfer in der rumänischen Armee, 64 in der Wehrmacht oder Waffen-SS, 7 Fluchtopfer im Herbst 1944, 20 Tote unter den 131 zwangsverschleppten Frauen (72) und Männer (59) in die Sowjetunion im Januar 1945 und 4 Opfer von den 59 in die Baragan-Steppe deportierten Deutschen im Juni 1951.

 

Von den 1995 Deutschen, die 1940 in Tschakowa lebten, waren durch den Militärdienst und durch die Flucht von Zivilpersonen etwa 500 Personen in den Westen gelangt. Ab 1960 begann die Familienzusammenführung, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1970-1971 erreichte. Damals waren noch etwa 1000 Deutsche in Tschakowa. In den siebziger und achtziger Jahren wanderten jährlich etwa 10 Familien in den Westen aus. Nach der Wende in Rumänien (1989) kamen dann durch Massenaussiedlung etwa 600 Deutsche 1990 in den Westen. Es verblieben noch etwa 200 Deutsche in der Gemeinde. Durch weitere Aussiedlungen in den letzten Jahren, verringerte sich die Zahl der Deutschen auf etwa 40 in 1999. Ende September 1996 waren die deutschen Familien aus Tschakowa wie folgt verteilt: in Deutschland 836 Familien (vorwiegend in den Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Hamburg, Niedersachsen), Vereinigte Staaten von Amerika 45 Familien, Österreich 16, Kanada 10, Ungarn 7, Australien 4, Frankreich 3, Argentinien 1 und Spanien 1. Die in Rumänien verbliebenen Deutschen leben in Tschakowa, Temeschburg, Bukarest, Reschitz, Detta, Arad, Lugosch, Pitescht u.a.

 

Um ausführlichere Informationen über Tschakowa zu erhalten, bitten wir die einzelnen Kapitel des Buches "Tschakowa - Marktgemeinde im Banat. Monographie und Heimatbuch", dem auch die obigen Auszüge, mit freundlicher Genehmigung des Autors Wilhelm Josef Merschdorf, entnommem wurden, zu studieren.